Die Klosterkirche der Grauen Brüder, Sct. Mogensgade 16

Im Jahre 1232 sind „die kleinen Brüder“ zum erstenmal barfuss nach Dänemark gewandert. Sowohl der König Valdemar, die Geistlichkeit als das Volk haben sie gern und herzlich empfangen, und im Jahre 1235 wurde das Haus „der kleinen Brüder“ in Viborg gegründet. Insgesamt wurden 26 dänische Ordenshäuser gebaut.

Die Brüder wurden „die kleineren Brüder des heiligen Franz“, Franziskaner-Mönche oder die grauen Brüder genannt (nach ihrer Kleidung), und ihr Gebäude in Viborg lag mit dem Kloster nördlich der Kirche. Der Grundplan erinnert an die Gebäuden eines Adelshofs – mit einer einschiffigen Kirche aus Ziegelsteinen. Das Kloster war NICHT eine Stelle der Zurückgezogenheit, denn die Mönche sollten ja eben in die Welt gehen um zu predigen, beichten und betteln, sowie auch um ihre soziale Fürsorge in der Pflege von Kranken und Armen zu leisten.

Das Hauptgebäude war die ansehnliche Kirche, die für eine grosse Gemeinde gebaut wurde. Sie funktionierte als Gemeindekirche von 1529 bis 1812, und die letzten Reste davon sind erst im Jahre 1830 verschwunden. Heute markieren beschnittene Buchenhecke in der Anlage „Tausens Minde“ ihren Grundriss. In der dänischen Geschichte war diese Kirche die Reformationskirche, wo die Hauptgestalt der dänischen Reformation, Hans Tausen, schon von 1527 bis 1529 Luthers Lehre gepredigt hat.

Die Reformation

Die Reformation hat eine totale Umwälzung des Klosters bedeutet. Bei Silvester 1530 waren die letzten Mönche schon weg – genauer gesagt ausgejagt – aber schon vor dem Zeitpunkt hatte man die Kirche für andere Zwecke in Betrieb genommen. Hans Tausen hat hier das erste lutherische Predigerseminar des Königsreiches eingerichtet, und in den Klostergebäuden hielten König und Reichsrat Ratssitzungen und Gerichtsverfahren.

Eine Restaurierung 1975-77 hat enthüllt, dass es früher 2 zusammengebaute Gebäude von ungefähr Jahr 1500 gegeben hat – mit einer dazwischenliegenden Tordurchfahrt in Kellerebene.

Christian III war ein frommer  König, der in seiner Jugend im Jahre 1521 auf dem Reichstag in Worms anwesend war, als Luther gegen Kaiser und Papst sprach. Dies hat ihm einen Eindruck für das Leben gegeben, und der König wünschte, das Kloster der Grauen Brüder in Viborg zu prägen. Er liess es in eine vornehme Anlage umbauen, mit zwei stilvollen, spätgotischen Zimmern im Erdgeschoss und darüber einem grossen Saal in der totalen Ausdehnung des Flügels. Er wurde Tanzsaal oder Blumensaal genannt – das letzte mit Referenz zu der Ausschmückung mit Fresken. Hier konnte der jütländische Adel ihre Festlichkeiten feiern.

Bei der Restaurierung in den 1970’ern gelang es, das eine der Zimmer im Erdgeschoss zu rekonstruieren, so dass es heute fast wie zur Zeit von Christian III aussieht. Es hat als Wohnung für den König funktioniert, wenn er sich in Viborg aufhielt, und wir nennen es deshalb „Zimmer des Königs“.

Von Kloster zu Hospital

Im Jahre 1541 hat der König eine Stiftungsurkunde bestätigt, wonach das Kloster der Grauen Brüder in ein Hospital – das heisst ein Heim für Kranke, Alte und Arme – verwandelt wurde. Dies funktionierte bis zur heutigen Zeit, und die Hospitalsgeschichte beschreibt eine sehr wichtige Ecke der Geschichte der dänischen Sozialfürsorge . Die Wirtschaft des Hospitals basierte sich auf einem umfassenden Grundbesitz, wovon die letzten Reste erst heutzutage verkauft wurden.

Bis 1680 wurde der grosse Saal – der Tanzsaal – als Krankensaal verwendet, und darunter waren Kirchen- und Krankenzimmer. Im Jahre 1680 wurden die „Hospitalseinsassen“ in das untere Stockwerk gerückt, wo sie in Alkoven lagen. Diese standen den Wänden entlang - zusammengezimmert und mit Stroh im Bettrost.

Ursprünglich haben die Patienten ihre Kost erhalten, aber später bekamen sie sogenanntes Wochengeld und mussten ihr Essen selbst am Kaminfeuer zubereiten. Vergilbte Abrechnungen, Berichte und ähnliches geben uns ein ergreifendes Bild von notleidenden Menschen und den Verhältnissen, unter denen sie zu verschiedenen Zeiten gelebt haben.

Von 1739 und bis in das vorige Jahrhundert gab es sogenannte Irrenzellen an der Nordseite des Hospitals – primitive Zellen für geisteskranke.

Die Hospitalskirche

Erst von Mitte des vorigen Jahrhunderts wurden die Saale in kleinere Zimmer für die Hospitalseinsassen geteilt. Bis dann standen in der Mitte der Saale ein Altar und eine Kanzel. Jetzt wurde im ersten Stock des Südflügels eine Hospitalskirche eingerichtet. Diese wurde 1949 in den gewölbten Keller unter dem Seitenflügel gerückt. Die Einweihung fand am 4. Dezember 1949 statt, und hier werden immer noch Gottesdienste veranstaltet. Im Sommer-Halbjahr gibt es Morgengottesdienst an Sonntagen (doch nicht im Juli) und im Winter-Halbjahr Nachmittags-Gottesdienst am letzten Sonntag des Monats. In diesem Kirchenraum erlebt man eine ganz besondere Stimmung und Ambiente.

Die Kirche besteht aus 6 Kreuzgewölben, die von 2 starken Stutzpfeilern getragen werden. Die kleinen Fenster mit flachem Bogen und eingefärbtem Glas wurden von Peter Skovgaard – Sohn von Joakim Skovgaard – geschenkt. Der Altar der Kirche ist aus grossen Backsteinen gebaut, und die schweren Kerzenständer aus Messing stammen von einem Umbau im Jahre 1853. Vor dem Altar liegt ein schöner Teppich von der Kunstweberin Grethe Sørensen.

Das kleine Taufbecken wurde vom Architekten Thomas Havning im Jahre 1956 gezeichnet und ist in die Wand eingemauert. Im Kirchenraum ist kein Platz für eine Kanzel, aber schon für eine Orgel. Diese stand früher in der Kirche der Insel Venø.

Das heutige Kloster der Grauen Brüder

Ausser dem Zimmer des Königs gibt es heute im Gebäude 7 Wohnungen für ältere Leute. Die gültige Stiftungsurkunde stammt aus 1987, doch ohne grosse Änderungen seit dem Anfang im Jahre 1541. Es gibt immer noch einen Klostervorsteher, und die Stiftung wird von einem Vorstand geleitet, wo u.a. der Bischof, der Bürgermeister und auch der Klostervorsteher Sitz haben.

Schliesslich kann erwähnt werden, dass Anstellung und Entlassung des Klostervorstehers, der Stiftungsurkunde gemäss, durch königliche Resolution genehmigt werden muss.